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Armin Pongs


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Das Goethe-Institut fragt, Armin Pongs antwortet


Armin Pongs wurde 1968 in Rheydt am Niederrhein geboren und studierte von 1989 bis 1996 in München Psychologie und Soziologie. Nach Lehrtätigkeit in Cluj/Rumänien und Projektleitung im Bundesministerium für Bildung und Forschung ist er seit 2009 Privatdozent an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Mit seinen soziologischen Bestsellern "In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?" und "In welcher Welt wollen wir leben?" wurde er einem breiten Leserpublikum bekannt. Seine erfolgreiche Kinderbuchreihe rund um das freundliche Krokodil mit dem Namen "Krokofil" ist bei Kindern sehr beliebt. Armin Pongs lebt am Chiemsee und in Istanbul.

Wie sind Sie darauf gekommen, ein Buch über ein Krokodil zu schreiben und warum heißt die Hauptfigur "Krokofil"?
Als im Frühsommer 2007 meine damals 5-Jährige Patentochter zu Besuch kam, schaute sie mit großen Augen auf mein Bücherregal und fragte mich, ob ich ihr eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen könnte. Was für eine Geschichte möchtest du denn hören, fragte ich zurück. Eine Geschichte von einem Krokodil, lautete ihr Wunsch. Da es aber unter den mehr als 2000 Bücher, die ich besitze, kein Buch über ein Krokodil gab, habe ich schließlich eine Geschichte über ein Krokodil erfinden müssen. Das "F" im Namen von "Krokofil" steht dabei für freundlich sowie für Freundschaft, eines der zentralen Themen meiner Geschichte.

Wie sind Sie Schriftsteller geworden?
Von der Ausbildung her bin ich Psychologe und Soziologe. Seit meiner Studienzeit bin ich zudem immer als Journalist aktiv gewesen und aus dieser Tätigkeit heraus sind auch meine ersten Bücher entstanden: "In welcher Gesellschaft leben wir eigentlich?" und "In welcher Welt wollen wir leben?" sind zwei Interviewbände, die zu Bestsellern wurden. Später folgten die beiden Reiseerzählbände "Die Welt in meinen Augen" und "Der Drachen ohne Schnur", in denen ich Reiseerlebnisse verarbeitete. Die letzten fünf Jahre habe ich an den Büchern von Krokofil gearbeitet. Die ersten drei Bände "Krokofil 1 – Der Traumländer", "Krokofil 2 – Das Karussell der Farben" und "Krokofil 3 – Die Reise zur Spitze des Mondscheins" sind bisher erschienen, weitere Bände werden folgen.

Wie sieht der Alltag eines Schriftstellers aus? Wann schreiben Sie und wodurch lassen Sie sich inspirieren?
Ich schreibe eigentlich immer: zu Hause, auf Reisen, in Gedanken, in meinen Träumen. In meinem Kopf kreisen ständig Bilder und Figuren, die von mir in Geschichten festgehalten werden wollen. Manchmal wache ich in der Nacht auf, greife zu Stift und Papier und schreibe meine Ideen auf. Besonders gut fließt es in den frühen Morgenstunden, gleich nach dem Aufstehen, wenn die Gedanken noch frisch sind. Da sprudeln die Ideen nur so aus mir heraus. Am produktivsten bin ich auf meiner Sonnenterrasse am Chiemsee mit Blick auf die Kampenwand oder in Istanbul mit Blick auf Marmarameer und Prinzeninseln. Wenn ich den harzigen Geruch der Pinien oder den süßen Duft der Feigen in meiner Nase habe, entstehen fast immer märchenhafte Erzählungen in meinem Kopf. Übrigens habe ich vor Drucklegung der Krokofilbücher alle Orte und Schauplätze der Geschichte noch einmal aufgesucht. Ich habe überprüft, ob ich alles richtig beschrieben habe, und auch Änderungen vorgenommen, wenn neue Ideen und Bilder entstanden sind.

Krokodil ist ja ein Märchen, was wollen Sie den Kindern damit vermitteln?
Es geht in den Büchern darum, wie wichtig Freunde sind und wie man seine Träume wahr macht, aber auch andere Themen sind in die Geschichte eingeflossen, die Kinder beschäftigen, berühren und mit denen viele schon in jungen Jahren umzugehen haben. Ein solches Thema ist beispielsweise das Gefühl des Verlassenwerdens. Viele Kinder machen heute schon im Grundschulalter diese Erfahrungen, wenn sich die Eltern trennen und die Kinder mit nur einem Elternteil weiterleben. Meine Bücher zeigen Wege auf, mit diesem Trennungsschmerz umzugehen.

Eine besondere Qualität ist es ja, dass Sie vor einem Kinderpublikum aus Ihren Büchern lesen. Wie kommen solche Lesungen zustande?
Anfangs bin ich noch auf die Schulen zugegangen, heute laden mich immer mehr Schulleiter von Grundschulen zu Lesevormittagen ein. In den vergangenen drei Jahren sind auf diese Weise mehr als 400 Lesungen pro Jahr zustande gekommen. Ich bekomme aber auch Einladungen von Bibliotheken und Buchhandlungen sowie Städten, Kommunen und anderen Veranstaltern wie dem Goethe-Institut. Wenn ich Grundschulen besuche, dann absolviere ich in der Regel an einem Vormittag vier einstündige Lesungen, für die Erst-, Zweit- und Drittklässler wie auch für die Kinder der vierten Klassen. Die Lesungen sich dabei je nach Altersstufe unterschiedlich gestaltet.

Wie laufen die Lesungen ab, was machen Sie, um die Kinder zu fesseln?
Es gibt bei meinen Lesungen drei Regeln. Regel Nr. 1: Alle Kinder müssen leise sein und gut zuhören. Regel Nr. 2: Ich muss laut und deutlich vorlesen. Und Regel Nr. 3: Wenn ich mich verlese und "Krokodil" statt "Krokofil" sage, muss ich zehn Liegestützen machen. Hinzu kommt: Ich lese im Stehen und binde die Kinder ins Geschehen ein. Das Ziel ist es, die einstündige Lesung zu einem unvergessenen und positiven Leseerlebnis zu machen, denn es geht mir darum, den Kindern ein Schlüsselerlebnis zu verschaffen für das eigene Lesen. Wenn das gelingt, ist meine Arbeit erfolgreich. Natürlich muss aber auch die Geschichte interessant und spannend sein, sonst müsste ich wohl noch Kopfstand machen oder Rad schlagen, um die Kinder bei Laune zu halten.

Wie alt sind die Kinder und wie lange können sie sich konzentrieren?
Ich kann allen Kindern im Grundschulalter eine Stunde lang vorlesen, vorausgesetzt die Lesungen finden in einem geschlossenen Raum statt und die Kinder sitzen auf Stühlen oder Langbänken.

In Deutschland leben viele Kinder mit Migrationshintergrund. Können diese Kinder Sie verstehen, wenn Sie aus Ihren Büchern vorlesen?
Zum Glück gibt es inzwischen in allen Bundesländern Sprachförderprogramme, so dass in der Regel die Kinder bei Schuleintritt die deutsche Sprache verstehen. Natürlich ist das Ergebnis sehr unterschiedlich, aber egal, wo ich bisher in Deutschland vorgelesen habe, ob in Hamburg oder München, Köln oder Berlin, überall haben die Kinder meinen Lesungen folgen können – und noch mehr: sie haben eine Stunde lang gebannt und aufmerksam zugehört. Ich war in Schulen, die von Kindern besucht werden, die mit Büchern aufwachsen und die es gewohnt sind, dass man ihnen vorliest. Ich komme aber auch in Schulen, wo meine jungen Zuhörer noch nie in den Genuss einer Lesung gekommen sind. Trotzdem gelingt es mir auch dort, die Kinder für das Lesen zu begeistern. Es liegt dann in der Hand der Lehrer und Eltern, was sie aus dieser Euphorie machen. Damit diese Lesungen nicht einzigartig bleiben, mache ich allen Schulen in Bayern das Angebot, mich auf meiner Sonnenterrasse am Chiemsee zu besuchen. Zudem können die Schulklassen Fragen per E-Mail an mich schicken und ich komme auch zu Schreibworkshops in die Schulen. Es gab übrigens noch nie den Fall, dass ich eine Lesung vorzeitig abbrechen musste oder mit irgendwelchen Kindern nicht klar gekommen wäre, aber es gibt doch immer mehr Kinder, die einem viel Kraft abverlangen.

Glauben Sie, dass das Vorlesen das eigene Lesen der Kinder fördert?
Kinder, denen zu Hause nicht vorgelesen wird, haben es in der Regel schwerer, den Zugang zum Lesen zu finden. Das merke ich immer, wenn ich Kindern begegne, die es gewohnt sind, dass man ihnen vorliest. Diese lesen dann auch selbst viel und gerne. Es ist also entscheidend, wer vorliest, und wenn es nicht die Eltern oder eine andere Bezugsperson ist, dann kommt es sehr darauf an, wie man beispielsweise als Autor wahrgenommen wird. Wenn die Kinder in mir ein Vorbild sehen, werden sie wohl eher zum Buch greifen und selbst zu lesen beginnen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die einstündige Lesung tatsächlich zum Schlüsselerlebnis für das eigene Lesen wird. Ob ich die Kinder nachhaltig für das Lesen begeistern kann, hängt davon ab, wie gut es mir gelingt, die Kinder anzusprechen und in meinen Bann zu ziehen.

Kinder im Ausland lernen Deutsch als Fremdsprache in der Schule, sie können natürlich meistens noch keine Ganzschriften lesen. Würden Sie ihnen trotzdem Ihre Bücher empfehlen?
Meine Bücher zeichnen sich durch eine metaphernreiche Sprache aus, deshalb empfehle ich allen Kindern meine Bücher. Und meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass meine Bücher auch im Ausland gut verstanden werden. Ich habe bereits in Schulen in der Türkei, Rumänien, Bulgarien, Indien und Kolumbien vorgelesen. Die Kinder hatten dort manchmal nur rudimentäre Deutschkenntnisse, Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache, trotzdem haben sie viel mitbekommen. Natürlich richte ich meine Lesungen auf diese Kinder entsprechend aus, und wenn die Kinder unruhig werden, setze ich die Lieder ein, die zu Krokofil entstanden sind und anhand derer die Kinder Texte aus dem Buch singend lernen und erfassen.

Wie können die Deutschlehrer die Kinder auf Ihre Bücher vorbereiten?
Die Bücher über Krokofil sind kindgerecht geschrieben, sie sind spannend und unterhaltsam. Es bedarf also keiner großen Vorbereitung, um meine Bücher zu lesen. Die Geschichte ist so geschrieben, dass die Kinder gleich in die Geschichte eintauchen können und das Buch erst aus der Hand legen, wenn sie es ausgelesen haben. Aber demnächst wird es auch ein Begleitheft geben mit Unterrichtsmaterialien, anhand derer man die Themen der Bücher im Unterricht aufarbeiten oder vertiefen kann.

Kann man Ihre Bücher auch im Ausland bestellen? Sind sie vielleicht sogar schon übersetzt?
Die Bücher sind dank der ISBN-Nr. in jeder Buchhandlung zu bestellen, ebenso bei den Online-Anbietern im Internet. Gerade wird Krokofil ins Englische, Spanische, Italienische, Französische und ins Türkische übersetzt. Bis die Übersetzungen jedoch in Buchform erscheinen, werden wohl noch einige Wochen oder Monate vergehen.

Haben Sie schon für das Goethe-Institut oder anderer Einrichtungen im Ausland gelesen?
Ich bin als Schriftsteller schon in vielen Ländern der Welt für das Goethe-Institut aktiv gewesen und habe dort auch meine soziologischen Ausstellungen präsentiert, so in Tel Aviv, Rabat, Panama und Bukarest. Aus meinen Kinderbüchern habe ich schon in Edirne, Bursa, Izmir, Antalya und Istanbul gelesen, das waren Schulen in der Türkei, wo Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache unterrichtet wird. Zudem war ich auf Einladung des Goethe-Instituts in Siebenbürgen/ Rumänien und in einigen Städten in Bulgarien. Weitere Schulbesuche im Ausland sind geplant.

Erzählen Sie uns ein witziges oder besonderes Erlebnis, das Sie während Ihrer Lesereisen hatten?
Ein besonderes Erlebnis war die Begegnung mit einem Mädchen, das mir nach einer Lesung ein Freundschaftsband schenkte. Das hat mich sehr berührt. Herausgefordert war ich, als ein anderes Mädchen vor meiner Lesung zu mir kam und erklärte, dass ihr das Lesen keinen Spaß mache. Ich war überrascht, antwortete ihr aber gleich, ob sie denn auch wisse, dass Lesen reich mache. Das Mädchen machte große Augen und plötzlich war ihr Interesse für meine Lesestunde geweckt. Unvergessen ist aber auch das Erlebnis in einer Schule, als ein Junge nach der Lesung mit gesenktem Kopf zu mir kam und erklärte, dass er gerne wüsste, wie die Geschichte von Krokofil weitergehe, seine Mutter ihm aber kein Buch kaufe. Verdutzt sah ich den Jungen an, der mir aber gleich den Vorschlag unterbreitete: "Wenn ich jetzt mehr Liegestütze schaffe als du, bekomme ich dann ein Buch von dir geschenkt?" Ich war begeistert von seiner Idee, forderte ihn aber heraus: "Gestern habe ich 44 Liegestütze gemacht!" Das war für ihn der Ansporn, 50 Liegestütze zu machen. Natürlich habe ich ihm wie vereinbart ein Buch von Krokofil geschenkt und es signiert.

Lesen ist eine allgemeine Bereicherung, fördert aber vor allem Fantasie und Kreativität, oder? Ist es wichtig, dass Kinder Bücher lesen oder können sie genauso gut am PC lesen?
Man kann es gar nicht oft genug sagen, wie wichtig das Lesen in einer hochtechnisierten, komplexen und wissensbasierten Gesellschaft ist. Lesen fördert das eigene kreative und kritische Denken, erweitert den Wortschatz, weitet den Horizont und öffnet Welten. Deshalb kommt es in erster Linie darauf an, dass Kinder den Zugang zum Lesen bekommen und überhaupt zu lesen beginnen. Ob das Lesen in Zukunft weiterhin über das gedruckte Buch geschieht oder über ein elektronisches Medium ist dabei unerheblich und wird sich sicher sehr bald herausstellen. Der Vorteil des Buches ist die Konzentration auf ein Medium. Habe ich einen PC, bin ich schnell versucht, im Internet zu surfen oder mich mit einem Computerspiel abzulenken. Aber egal welche "Leseform" sich am Ende durchsetzt, die Faszination des Lesens muss vermittelt werden. Es bleibt also Aufgabe und Verantwortung der Erwachsenen, sich um die Leseförderung der Kinder zu kümmern. Wenn dies nicht konsequent und in ausreichender Form geschieht, dann befürchte ich eine dramatische Kettenreaktion. Überspitzt gesagt: Ohne Lesen keine eigenen Bilder, kein kritisches Denken, keine neuen Ideen und keine Innovationen. Wenn dies jedoch ausbleibt, sind auch die Aufrechterhaltung unserer Demokratie, unseres Wohlstands und die Zukunft unserer Gesellschaft gefährdet. Lesen ist und bleibt der Schlüssel unseres Wissens und unseres Reichtums.